Enkeltrick 2.0: Wenn KI die Stimme von Angehörigen fälsch
Das Telefon klingelt. Am anderen Ende die Stimme des Enkels (oder der Enkelin), aufgelöst: ein Unfall, eine Kaution, sofort werde Geld gebraucht. Der Tonfall, die kleine Sprechpause – alles klingt vertraut. Und doch ist es nicht der Enkel (die Enkelin), sondern eine Software, die die Stimme nachahmt.
Der klassische Enkeltrick hat eine neue Stufe erreicht. Beim „Enkeltrick 2.0″ klonen (kopieren) Betrüger:innen mithilfe künstlicher Intelligenz Stimmen täuschend echt. Das ist keine Randerscheinung: Allein im Januar 2026 registrierte die Bundesnetzagentur mehr als eine halbe Million solcher Anrufe – die Dunkelziffer liegt vermutlich weit höher.
Wie die Masche funktioniert
Für einen überzeugenden Stimmenklon genügt heute ein paar Sekunden kurzer Audioschnipsel, etwa aus einem Video in sozialen Medien. Oft beginnt der Anruf harmlos mit „Rate mal, wer hier spricht“ – das Opfer nennt selbst einen Namen, den die Täter aufgreifen. Dann wird eine Notlage inszeniert, die sofort Geld verlangt und keine Zeit zum Nachdenken lässt. Nicht selten treten weitere „Beteiligte“ auf, etwa ein angeblicher Polizist, der den Druck erhöht.
So schützen Sie sich
Hellhörig sollten Sie werden, sobald drei Dinge zusammenkommen: eine dringende Geldforderung, starker emotionaler Druck und die Bitte, mit niemandem darüber zu sprechen. Der wirksamste Schutz ist dann ganz einfach: auflegen und selbst zurückrufen – unter der Nummer, die Sie ohnehin kennen. Kein echter Angehöriger nimmt das übel.
Bewährt hat sich außerdem ein Familien-Codewort, das nur die engsten Vertrauten kennen. Und: Geben Sie niemals unter Zeitdruck Geld, Wertsachen oder Bankdaten heraus – seriöse Stellen verlangen das nie am Telefon.
Wenn es doch passiert ist
Reden Sie darüber, statt sich zu schämen – jeder kann in eine solche Lage geraten. Informieren Sie umgehend Ihre Bank und die Polizei. Beratung und aktuelle Warnungen gibt es bei den kriminalpolizeilichen Beratungsstellen der Polizei und bei der Verbraucherzentrale Hessen.
Vielleicht der beste Schutz überhaupt ist das Gespräch: Wer offen über diese Masche spricht, nimmt ihr die Wirkung. Denn sie funktioniert nur im Verborgenen.
Auf einen Blick: Die wichtigsten Schutzregeln
- Auflegen und selbst zurückrufen – unter der bekannten Nummer.
- Codewort vereinbaren – nur echte Angehörige kennen es.
- Kein Geld unter Zeitdruck – nie Bargeld, Wertsachen oder Bankdaten am Telefon herausgeben.
- Warnsignal beachten – Dringlichkeit plus Bitte um Geheimhaltung.
- Im Ernstfall – Bank und Polizei informieren und offen darüber sprechen.
Beachten Sie unsere Prävetationvorträge der Polizei, z.B.:
- Sicher im Internet und am Telefon
(https://frankfurter-plattform-55plus.de/angebot/sicher-im-internet-und-am-telefon/) - Ich lass mich nicht aufs Kreuz legen – Enkeltrick und Co.
(https://frankfurter-plattform-55plus.de/angebot/ich-lass-mich-nicht-aufs-kreuz-legen-enkeltrick-und-co/) - Betrug erkennen – richtig handeln: Polizei informiert
(https://frankfurter-plattform-55plus.de/angebot/betrug-erkennen-richtig-handeln-polizei-informiert/) - Vortrag Cybercrime: Sicher einkaufen im Internet
(https://frankfurter-plattform-55plus.de/angebot/vortrag-cybercrime-sicher-einkaufen-im-internet-7109-51-2/)
